Blackout souverän meistern – so geht’s – am Beispiel von Dr. Angela Merkel

Thomas Lerche Allgemein, Public Speaking Tipps 0 Comments

Beispielrede: Angela Merkel, Bundeskanzlerin, IT-Gipfel 2014

Klick‘ auf das Bild, um das Video zu sehen. Videolänge: 1:15 min

 

Schau‘ Dir an, wie Angela Merkel damit umgeht, als ihr bei einer Aufzählung das dritte Wort nicht mehr einfällt. Sie verliert „den Faden“ ihrer Rede bereits bei Sekunde 12 und als sie ihn bei Sekunde 24 noch nicht hat, geht sie verbal darauf ein.

Das können wir von Angela Merkel im Umgang mit Blackouts lernen:

1. Sprich‘ einen offensichtlichen Blackout direkt an. Das Publikum wird deine Ehrlichkeit honorieren und etwas zu vergessen ist menschlich. Es bietet dir sogar eine Gelegenheit es charmant in einen Pluspunkt für dich umzuwandeln.

2. Suche dir Verbündete im Publikum. Beziehe die anwesenden Gäste in deinen Gedankenfindungsprozess ein und sprich‘ einen Freund an. Beispiel von Frau Merkel bei Sekunde 44: „Weißt du es noch, Alexander?“ Dies stellt eine Verbindung zum Publikum her, anstatt diese unterbrechen zu lassen, was passieren könnte wenn du dich komplett in dich selbst kehrst.

3. Nimm‘ deine kleine Schwäche mit Humor. Anstatt sich zu ärgern oder einen negativen Selbstdialog zu starten, („Ach ich wusste, dass mir das passiert.“) begegnet Frau Merkel dem Blackout mit Charme. Sie lächelt umgehend und benutzt positive Formulierungen wie „Es war etwas ganz einfaches. Was war es noch…?“ – Sie bringt sogar das Publikum mehrfach zum lachen durch den charmanten Umgang mit ihrem Fehler.

Tipps für Frau Merkel, wie sie den Umgang mit Blackouts weiter verbessern kann:

1. Den Pauseneffekt nutzen. Fehlen die Worte, brauchen wir Zeit zum Nachdenken. Anstatt diese mit lang gezogenen Worten und unpassenden Pausen zwischen jedem Wort ergattern zu wollen ist es sinnvoller eine komplette Pause einzulegen. Frau Merkel fühlt sich verpflichtet konstant zu sprechen. Doch Pausen wirken natürlich und erzeugen Spannung. Als Redner kommen einem Pausen immer wesentlich länger vor, als dem Publikum. Drei Sekunden fühlen sich an wie zehn, sind aber für das Publikum sehr angenehm. Wenn die Pause zwischen drei und sieben Sekunden dauert, denkt das Publikum es stimme etwas nicht. Doch interessanterweise entsteht bei Pausen von acht Sekunden und länger der Effekt, dass das Publikum nun denkt, es sei eine absichtlich in die Länge gezogene Kunstpause. Und die Aufmerksamkeit erhöht sich. Es ist also nicht schlimm, eine längere Pause zum Denken einzulegen, solange der Augenkontakt größtenteils zum Publikum gehalten werden kann.

2. Das Publikum respektvoll und gleichwertig behandeln, anstatt Unwissenheit zu unterstellen. In Sekunde 27 wendet sich Frau Merkel an Telekomchef Höttges und kommentiert „das weiß er selber nicht mehr.“ (lachen) – anstatt ihn damit bloßzustellen und auf seine Kosten zu lachen, ist es eleganter eine Formulierung auf gleicher Höhe anzuwenden. Beispiel: „Oh, auch ihm fällt es auf die Schnelle nicht mehr ein, da sind wir schon zu zweit. (Pause) – (Jetzt zum Publikum) Sehen Sie, es ist für uns alle eine Herausforderung alle Details auf Abruf parat zu haben.“

3. Auf Körpersprache achten. Unter Stress verfallen wir leicht in eine hektische Körpersprache. Auch Frau Merkel nimmt für sie ungewöhnliche Gesten wahr: Sie fasst an die Mikrofone und verbiegt sie. Sie streicht sich die Haare hinters Ohr, klopft mit ihren Notizen auf den Tisch, wirft ihre Stirn in Falten und macht zuerst eine typische „Ich möchte zum Punkt kommen“ Geste (Sekunde 50), um dann schlussendlich den Zeigefinger belehrend zu erheben (Sekunde 60) mit abgespreizten Daumen („Pistole“) – dies alles ist eine vom Publikum distanzierende Körpersprache, derer sich vor allem Politiker entledigen sollten, da die anwesenden Fotografen nur auf solche Gesten warten und genau in dieser Sekunde ihr Foto für die Titelseite schießen. Besonders unter Stress gilt es in diesem professionellen Rahmen kontrolliert zu bleiben und mit positiven Gesten, freundlicher Mimik und Humor gegenzusteuern, was Frau Merkel zum Teil sehr gut gelungen ist.

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